StrategieCamp 2025: “Ins Tun kommen”
von Mederer
Was ich aus dem Vortrag und Workshop von Roland E. Schön für mich mitgenommen habe
Wer im Marketing, in der Beratung oder als Unternehmer unterwegs ist, kennt das: Ideen gibt es viele, To-do-Listen erst recht – und trotzdem bleiben manche Themen erstaunlich lange liegen.
Genau darüber hat Roland E. Schön beim Bundesverband StrategieForum e.V. StrategieCamp 2025 gesprochen: Warum wir manchmal innerlich auf der Bremse stehen und was hilft, wieder in Bewegung zu kommen. Sein Ansatz ist weniger „noch ein Produktivitäts-Hack“ als eine Einladung, ehrlicher auf die eigenen Muster zu schauen.
Wann aus Aufgaben Probleme werden
Ein Satz von Roland E. Schön ist mir im Kopf geblieben: Eine Aufgabe wird dann zum Problem, wenn wir mehrfach versuchen, sie zu lösen – und trotzdem nicht weiterkommen. Spätestens dann lohnt es sich, nicht einfach noch mehr Druck aufzubauen, sondern die Situation genauer zu betrachten.
Im Alltag kennt vermutlich jeder diese Momente: Man weiß eigentlich, was zu tun wäre, schiebt es aber immer wieder vor sich her. Schön schlägt vor, an dieser Stelle nicht zuerst an Disziplin oder Willensschwäche zu denken, sondern an zwei andere Fragen:
- Habe ich wirklich verstanden, worum es bei dieser Aufgabe geht?
- Habe ich das passende Werkzeug dafür?
Allein dieser Perspektivwechsel nimmt schon Druck raus – und öffnet den Blick für Alternativen.
Drei typische Gründe, warum wir nicht ins Tun kommen
Im Vortrag hat Schön drei typische Stolpersteine benannt, die ich sehr wiedererkannt habe:
- Es ist unklar, was genau zu tun ist. Das Ziel ist zu diffus oder zu groß.
- Es ist klar, was getan werden müsste, aber nicht, wie es gehen könnte.
- Es gibt sowohl ein Ziel als auch prinzipiell einen Weg – aber innerlich fehlt ein wirklich tragfähiger Grund, sich auf den Weg zu machen.
Gerade der dritte Punkt ist spannend. Solange der Nutzen des Nichtstuns höher erlebt wird als der Nutzen der Veränderung, bleibt Stillstand eine logische Entscheidung. Bequemlichkeit, Sicherheit oder Konfliktvermeidung haben eben auch einen Wert – zumindest kurzfristig.
Innere Programme, die im Hintergrund laufen
Ein weiterer wichtiger Gedanke: Viele unserer Reaktionen sind durch frühere Erfahrungen geprägt. Aus einzelnen Situationen werden über die Jahre verallgemeinerte Sätze wie „Ich darf nicht anecken“, „Ich muss es alleine schaffen“ oder „Wenn ich Fehler mache, hat das Konsequenzen“.
Diese inneren Programme waren irgendwann einmal sinnvoll – sie haben uns geschützt oder Orientierung gegeben. Später können sie aber dazu führen, dass wir uns kleiner machen, als wir sind, oder Chancen nicht nutzen. Schöns Einladung war, diese Muster nicht zu verurteilen, sondern neugierig zu erforschen: Wo kommen sie her? Und dienen sie mir heute noch?
Vier Perspektiven auf Veränderung
Hilfreich fand ich auch hier ein Vier-Felder-Modell, mit dem Schön arbeitet. Veränderung lässt sich aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten:
- die innere Welt des Einzelnen: Gefühle, Überzeugungen, Biografie,
- das sichtbare Verhalten und die Fähigkeiten,
- die gemeinsame Kultur in einem Team oder Unternehmen,
- die äußeren Strukturen, Abläufe und Rahmenbedingungen.
In vielen Projekten sehe ich, wie stark der Fokus auf Methoden, Tools und Strukturen liegt. Das ist wichtig – greift aber zu kurz, wenn innere Überzeugungen oder die Kultur im Team dem entgegenstehen. Umgekehrt wird es zäh, wenn Menschen an sich arbeiten, die Organisation aber Rahmenbedingungen bietet, in denen Neues kaum Platz hat.
Ein Prozess, um sich selbst besser zu verstehen
Besonders praktikabel fand ich den Prozess, den Roland E. Schön vorgeschlagen hat. In vereinfachter Form habe ich mir folgende Schritte notiert:
- Ein konkretes Thema benennen, das man verändern möchte – nicht abstrakt, sondern greifbar.
- Nüchtern beschreiben, was man aktuell tut und was man lässt.
- Die eigenen Gefühle dazu wahrnehmen und benennen.
- Den Nutzen und den Preis des bisherigen Nichtstuns ehrlich gegenüberstellen.
- Die dahinterliegenden Überzeugungen und Prägungen erforschen.
- Einen neuen inneren Satz formulieren, der sich zwar ungewohnt, aber glaubwürdig anfühlt.
Es geht dabei nicht darum, sich mit positiven Formeln zu überreden. Entscheidend ist, einen Satz zu finden, der wirklich zu einem passt und eine neue Richtung eröffnet.
Vom Erkennen ins Handeln kommen
Ein Punkt, den ich persönlich sehr wichtig fand: Erkenntnis allein verändert noch wenig. Spannend wird es erst, wenn aus einer Einsicht konkrete Schritte im Alltag werden.
Roland E. Schön hat dazu ermutigt, bewusst auf drei Dinge zu achten:
- Umgebung: In welchem Umfeld fällt es mir leichter, neue Verhaltensweisen auszuprobieren?
- Menschen: Wer unterstützt mich – und mit wem ist es hilfreich, offen über mein Vorhaben zu sprechen?
- Schritte: Wie klein kann der nächste Schritt sein, damit er wirklich machbar ist?
Für meinen eigenen Arbeitsalltag bedeutet das zum Beispiel, bestimmte Zeiten bewusst für Konzeptarbeit zu blocken, Ablenkungen zu reduzieren und größere Projekte in überschaubare Portionen zu zerlegen.
Mein persönliches Fazit vom StrategieCamp 2025
Der Vortrag von Roland E. Schön hat mir einmal mehr gezeigt, dass „ins Tun kommen“ weniger mit Selbstoptimierung und mehr mit Selbstverständnis zu tun hat. Statt sich mit dem nächsten Tool oder der nächsten Methode unter Druck zu setzen, lohnt es sich, die eigenen Muster kennenzulernen und bewusst zu entscheiden, welchen Preis man weiterhin zahlen möchte – und welchen nicht.
Für meine Arbeit bei VILINGO heißt das: Wenn ich mit Kundinnen und Kunden an Strategien arbeite, ist die Frage, was sie wirklich ins Handeln bringt, mindestens so wichtig wie das passende Konzept. Und manchmal ist der erste Schritt schlicht, sich die eigene Bremse einzugestehen – ohne Selbstverurteilung, aber mit der Bereitschaft, es anders zu versuchen.
Danke Roland für Deine tollen Impulse!
Hinweis: Dieser Beitrag ist meine persönliche Zusammenfassung eines Vortrags von Roland E. Schön beim StrategieCamp 2025. Er basiert auf meinen Notizen und Eindrücken und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Für mögliche Verkürzungen oder Vereinfachungen bin allein ich verantwortlich.